The Park
Erholungsraum Butzenbüel
The Circle, Flughafen Zürich

Studienauftrag, selektiv, 2017
engere Auswahl
Städtebau: Mark Michaeli, Zürich / München
Architektur: Clou Architekten, Zürich
Verkehr/Bauing.: WAM Planer & Ingenieure, Solothurn
Waldbau: Peter Schmider, BGU, Zürich
Bauherr: Flughafen Zürich AG


Heutiger Zustand

Architektonischer Waldbau

Die Höhenbegrenzung durch den Sicherheitszonenplan macht zukünftig regelmässige Eingriffe in den Wald auf dem Butzenbüel notwendig. Diese Notwendigkeit wird als Chance begriffen, durch die gezielte Steuerung dieser waldbaulichen Massnahmen typische Aspekte eines Parks (Raumabfolgen, Sichtbeziehungen, unterschiedliche Athmosphären) zu erzeugen. Diese Struktur unterliegt der Dynamik des Waldes und orientiert sich nicht an einem fixen Bild. Der Rand wird als Plenterwald bewirtschaftet, um eine konstante Waldhöhe zu erhalten. Die Böschungen zur Autobahn hin werden wie anhin regelmässig geräumt. Das Innere des Waldes ist in unterschiedliche Schlagflächen aufgeteilt. Diesem Muster liegt eine gestalterische Absicht zugrunde, während sich die weiteren Massnahmen waldbaulich begründen lassen. Der Schlagrhythmus (20/30 Jahre) der einzelnen Flächen orientiert sich an der maximal erlaubten Wuchshöhe. Die zeitliche Staffelung der Räumungen im 5-Jahres-Rhythmus erzeugt eine mosaikartige Waldstruktur.

Räumliche Klarheit

Der Park orientiert sich in seiner räumlichen Ausprägung an der Gebäudestruktur. Der Circle wird geschlossen und lässt ein Innen und Aussen entstehen. Die markante Waldkante nach Aussen gibt dem Circle ein Ausdruck in Richtung Kloten und schafft eine Allseitigkeit des Konglomerats Park und Gebäude. Im Innern löst sich die Raumstruktur auf. Gebäude und Park spielen mit ihren Raumschichten und Horizonten zusammen. Der Dynamik des Waldes folgend, unterliegt die innere Struktur des Parks einer ständigen Veränderung und führt somit die Transformationsgeschichte des Butzenbüel fort.

Vielfältige Orte an hierarchischem Wegenetz

In der sich verändernden Raumstruktur entstehen konstante Orte, welche sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Atmosphären auszeichnen. Sie unterscheiden sich bezüglich Grösse, Besonnung, Materialisierung und Ausstattung. Es entsteht ein heterogenes und differenziertes Nutzungsangebot. Das Rückgrat des Wegenetz bildet der neue Verbindungsweg vom Hauptzugang des Circle zur Haltestelle Fracht. Der innere Rundweg mit Aufweitungen als Aufenthaltsbereiche ist durchgehend rollstuhlgängig.

Gebäude und Park

Der Park bildet das räumliche Gegenüber des Gebäudes und nimmt dessen Prinzip der Auflösung der Struktur auf. Das Gegenüber ist geprägt von einer Ambivalenz, da der Park in seiner Raumstruktur auf das Gebäude reagiert, gleichzeitig durch die Rauheit und Wildnis des Waldes eine Gegenwelt zu der cleanen, sauberen und glatten Flughafenwelt darstellt. Die Aussicht von den Terrassen in den Park und vom Park zum Gebäude ist geprägt von einer sich stetig verändernden Horizontstaffelung. Durch die Walddynamik entstehen immer wieder von neuem Räume, Kanten und Achsen, während Bestehende zuwachsen. Vom räumlichen Zusammenspiel profitieren insbesondere die unteren Geschosse des Gebäudes und die Zwischenzone von Gebäude und Park. Durch den regelmässigen Kahlschlag von Flächen entstehen Sichtachsen in den Park, der Lichteinfall wird erhöht und durch die räumlichen Kanten und den Einsatz besonderer Waldpixel entstehen kleine Plätze als Adresse für die öffentlichen Nutzungen wie Café, Restaurants und Hotels. Die Zwischenzone wird zu einem attraktiven und belebten Ort, da sie nicht hinter dem Gebäude, sondern mitten im Circle liegt. Die Wüchsigkeit der Bäume, das Spiel von Licht und Schatten, die Farbigkeit des Herbstes, der Wind in den Blättern, das Zwitschern der Vögel - die gesamte Kraft des Waldes ist hier konzentriert zu erleben.

Mittelholzer Square und Ash Meadow

Der Mittelholzer Square und die Ash Meadow sind zwei belebte Orte entlang der Achse vom Circle zur Haltestelle Fracht. Der Mittelholzer Square bildet das neue Zentrum im Park. Das Parkcafé belebt den Platz und bildet von der Haltestelle Fracht herkommend den Auftakt zum Park. Auf dem Mittelholzer Square und im Café können Events und Veranstaltungen stattfinden. Vom sonnigen Platz aus sieht man über den Teich und die sporadisch gemähte Liegewiese hinweg zum Gebäude. Auf dem Weg vom Parkcafé zum Gebäude führt der Weg durch die Ash Meadow. Diese hainartige Struktur aus Eschen ist wie der Mittelholzer Square ein belebter Ort mit Sitzbänken und Tischen. Die Rasenfläche unter den Bäumen ermöglicht eine intensive Nutzung als Spiel- und Liegefläche. Hier spielen die Kinder auf dem Spielplatz unter den Bäumen, während sich die Eltern im Parkcafé oder auf den Bänken im Hain erholen können.

Horizon View und Maple Hall

Zuoberst auf dem Butzenbüel bildet ein exakt geschnittener Heckenkörper die Horizontlinie und die Raumkanten des Circles ab. Der Blick in die geometrische Raumstruktur ist vielfältig und allseitig ablesbar. Im Innern bildet ein kleiner ovaler Platz eine Remiszenz an die heutige Aussichtsplattform. Setzt man sich hier hin, wird die Welt aussenrum ausgeblendet. Der Blick wird über die Hecke hinweg nach oben zum Himmel und den fliegenden Flugzeugen gelenkt. Die Maple Hall ist ein Waldstück aus aufgeasteten Ahornen. Dieser Feldahornhallenwald ist ein weniger belebter und introvertierter Raum. Ähnlich wie beim Horizon View wird die Umgebung ausgeblendet. Hier kann man sich zurück ziehen und in der Halle seine Nische suchen. Ruhigere Bereiche mit Liegen sowie Bänken und etwas belebtere Bereiche mit einzelnen Spielgeräten wechseln sich ab. Der Horizon View und die Maple Hall ergänzen sich gegenseitig und bilden zusammen mit den andern drei Orten einen vielfältigen Park in einem sich ständig verändernden Wald.